SLP · STANDARDLASTPROFIL
Ein typischer Verlauf, gerechnet
Abgerechnet wird nur die Jahresmenge.
RLM · LEISTUNGSMESSUNG
Der echte Verlauf, gemessen
▲ Spitze
Menge und höchste Leistung werden abgerechnet.
Inhalt
1. Das Wichtigste in Kürze
2. Was ist ein Standardlastprofil (SLP)?
3. Was ist eine registrierende Leistungsmessung (RLM)?
4. Ab wann wird man RLM-Kunde?
5. SLP und RLM im direkten Vergleich
6. Was RLM für Ihre Kosten bedeutet
7. SLP und RLM beim Gas
8. Intelligentes Messsystem: Ist das schon RLM?
9. Häufige Fragen
Das Wichtigste in Kürze
✓ SLP: Abrechnung nach Jahresverbrauch und einem typisierten Verlauf. Für Haushalte und die meisten kleineren Betriebe.
✓ RLM: Der Verbrauch wird beim Strom im Viertelstundentakt, beim Gas stündlich gemessen. Zusätzlich zum Verbrauch wird die höchste Leistung abgerechnet.
✓ Grenze Strom: in der Regel 100.000 kWh pro Jahr.
✓ Grenze Gas: in der Regel 1,5 Millionen kWh pro Jahr oder eine stündliche Leistung von 500 kWh.
✓ Bei RLM beeinflussen Lastspitzen die Netzkosten – ein kurzer Moment kann die Rechnung eines ganzen Jahres mitbestimmen.
Was ist ein Standardlastprofil (SLP)?
Bei den meisten Strom- und Gaskunden misst der Zähler nur, wie viel Energie insgesamt verbraucht wurde. Wann genau das passiert ist, weiß niemand. Für den Netzbetrieb und die Beschaffung ist das aber wichtig: Versorger müssen die Energie ja zu dem Zeitpunkt bereitstellen, zu dem sie gebraucht wird.
Die Lösung ist das Standardlastprofil. Es beschreibt, wie sich der Verbrauch einer bestimmten Kundengruppe typischerweise über den Tag, die Woche und das Jahr verteilt. Ihr tatsächlicher Jahresverbrauch wird dann rechnerisch auf diesen typischen Verlauf verteilt.
Für Sie als Kunde bedeutet das: Abgerechnet wird nur die Menge, nicht der Zeitpunkt. Ob Ihre Maschinen alle gleichzeitig um 7 Uhr anlaufen oder gleichmäßig über den Tag verteilt – beim SLP spielt es für die Rechnung keine Rolle.
Welche Standardlastprofile gibt es?
Die gängigen Profile für Strom hat der Branchenverband BDEW veröffentlicht. Die ursprüngliche Reihe stammt aus dem Jahr 1999 und unterscheidet unter anderem:
Profil
Kundengruppe
H0
Haushalt
G0
Gewerbe allgemein
G1
Gewerbe werktags 8–18 Uhr
G2
Gewerbe mit überwiegendem Verbrauch in den Abendstunden
G3
Gewerbe durchlaufend
G4
Laden, Friseur
G5
Bäckerei mit Backstube
G6
Wochenendbetrieb
L0–L2
Landwirtschaft
2025 hat der BDEW aktualisierte Profile veröffentlicht, darunter G25 als neue Fassung des allgemeinen Gewerbeprofils. Die neuen Profile unterscheiden nicht mehr nur Sommer, Winter und Übergangszeit, sondern enthalten eigene Werte für jeden Kalendermonat. Welche Profile ein Netzbetreiber verwendet, entscheidet er selbst.
Welches Profil Ihnen zugeordnet ist, steht meist auf der Netznutzungsabrechnung oder lässt sich beim Netzbetreiber erfragen. Wenn Sie uns Ihre Abrechnung schicken, klären wir das für Sie.
Abrechnung prüfen lassenWas ist eine registrierende Leistungsmessung (RLM)?
Bei der registrierenden Leistungsmessung erfasst ein spezieller Zähler nicht nur die Gesamtmenge, sondern den tatsächlichen Verlauf: beim Strom für jede Viertelstunde, beim Gas für jede Stunde. Das Ergebnis ist der sogenannte Lastgang – eine lückenlose Aufzeichnung, wann Ihr Betrieb wie viel Energie bezogen hat.
Aus diesen Werten ergibt sich auch die Jahreshöchstleistung: die größte Leistung, die in einem einzigen Messintervall des Jahres abgerufen wurde. Sie wird bei RLM-Kunden neben dem Verbrauch separat abgerechnet.
Die Zähler werden aus der Ferne ausgelesen. Sie müssen keine Zählerstände melden, und die Daten liegen deutlich schneller und genauer vor als beim Standardlastprofil.
Vertiefung: Lastgang verstehen – so lesen Sie Ihre Verbrauchskurve →
Ab wann wird man RLM-Kunde?
Die Grenzen sind in den Netzzugangsverordnungen festgelegt. Sie gelten als Regelwerte – Netzbetreiber können in ihrem Gebiet abweichende Grenzen festlegen.
Strom
Gas
SLP bis
100.000 kWh pro Jahr
1,5 Mio. kWh pro Jahr und max. 500 kWh stündliche Leistung
RLM ab
über 100.000 kWh pro Jahr
über einer der beiden Grenzen
Messintervall
15 Minuten
60 Minuten
Werte pro Jahr
35.040
8.760
Wichtig: Maßgeblich ist der tatsächliche Verbrauch. Ein Betrieb, der durch Wachstum, eine zusätzliche Produktionslinie oder Ladepunkte für E-Fahrzeuge über die Grenze kommt, wird in der Regel auf RLM umgestellt. Das bedeutet einen neuen Zähler, eine neue Abrechnungsart – und oft auch einen neuen Vertrag.
Sie planen eine Erweiterung, die Sie über die Grenze bringen könnte? Sprechen Sie das bei der Vertragswahl an. Ein Vertrag, der nur für SLP gedacht ist, passt nach der Umstellung womöglich nicht mehr.
SLP und RLM im direkten Vergleich
SLP
RLM
Was wird gemessen?
Gesamtverbrauch
Verbrauch je Viertelstunde (Strom) bzw. Stunde (Gas)
Zählerablesung
vor Ort oder per Selbstablesung
automatisch per Fernauslesung
Abrechnung Netzentgelt
Arbeitspreis + Grundpreis
Arbeitspreis + Leistungspreis
Einfluss von Lastspitzen
keiner
deutlich
Datenbasis für Angebote
Jahresverbrauch + Profil
tatsächlicher Lastgang
Typische Kunden
Haushalte, Büros, Läden, Praxen, Handwerk
Produktion, große Handelsflächen, Kliniken, Kühlhäuser
Was RLM für Ihre Kosten bedeutet
Der wichtigste Unterschied betrifft die Netzentgelte. Bei SLP-Kunden bestehen sie aus einem Arbeitspreis pro kWh und einem festen Grundpreis. Bei RLM-Kunden kommt ein Leistungspreis hinzu, der sich nach der höchsten gemessenen Leistung richtet.
Der Leistungspreis
Der Leistungspreis wird in Euro pro Kilowatt abgerechnet. Entscheidend ist in der Regel die höchste Viertelstunde des ganzen Abrechnungsjahres. Laufen an einem einzigen Tag alle Maschinen, Öfen und Klimaanlagen gleichzeitig, kann diese eine Viertelstunde den Leistungspreis für das gesamte Jahr bestimmen.
Deshalb lohnt sich bei RLM ein Blick auf den Lastgang: Wo entstehen die Spitzen, und ließen sie sich vermeiden?
Die Benutzungsstunden
Netzbetreiber unterscheiden bei RLM-Kunden außerdem danach, wie gleichmäßig die Leistung genutzt wird. Die Kennzahl dafür sind die Benutzungsstunden: Jahresverbrauch geteilt durch Jahreshöchstleistung.
Unterhalb von 2.500 Benutzungsstunden – also bei eher ungleichmäßigem Verbrauch mit ausgeprägten Spitzen – gilt in der Regel ein niedrigerer Leistungspreis und ein höherer Arbeitspreis. Oberhalb ist es umgekehrt. Welches Preissystem für Sie günstiger ist, hängt von Ihrem Profil ab.
Rechenbeispiel
Beispielbetrieb mit 400.000 kWh Jahresverbrauch und einer höchsten Viertelstundenleistung von 200 kW:
400.000 kWh ÷ 200 kW = 2.000 Benutzungsstunden
Gelingt es, die höchste Spitze auf 150 kW zu begrenzen:
400.000 kWh ÷ 150 kW ≈ 2.667 Benutzungsstunden
Der Betrieb verbraucht dieselbe Menge, liegt aber in einem anderen Preissystem und zahlt einen Leistungspreis auf 50 kW weniger.
Messstellenbetrieb
RLM-Zähler sind technisch aufwendiger als einfache Zähler. Die Kosten für Messung und Messstellenbetrieb sind deshalb in der Regel höher. Im Verhältnis zu den Gesamtkosten eines RLM-Kunden fallen sie allerdings meist wenig ins Gewicht.
SLP und RLM beim Gas
Das Prinzip ist beim Gas dasselbe, die Umsetzung unterscheidet sich:
Beim Gas-SLP spielt die Außentemperatur eine zentrale Rolle. Der Verbrauch eines Heizungskunden wird anhand der Temperaturen des jeweiligen Tages auf ein Profil verteilt. Ein kalter Januartag bekommt rechnerisch deutlich mehr Verbrauch zugeordnet als ein milder Tag im Oktober.
Bei Gas-RLM wird stündlich gemessen. Die Grenze liegt mit 1,5 Millionen kWh pro Jahr deutlich höher als beim Strom – ein durchschnittlicher Handwerksbetrieb oder ein Bürogebäude bleibt also auch mit Gasheizung im SLP. Anders sieht es bei Betrieben mit Prozesswärme aus, etwa Wäschereien, Großbäckereien oder Lebensmittelverarbeitung.
Mehr zu Gewerbegas →
Intelligentes Messsystem: Ist das schon RLM?
Nein. Seit dem Start des Smart-Meter-Rollouts erhalten auch Kunden mit mehr als 6.000 kWh Stromverbrauch pro Jahr ein intelligentes Messsystem. Es erfasst ebenfalls Viertelstundenwerte und überträgt sie digital.
Das macht einen Betrieb aber nicht automatisch zum RLM-Kunden. Für die Netzabrechnung ist in der Regel weiterhin die Verbrauchsgrenze maßgeblich. Der Vorteil des intelligenten Messsystems liegt woanders: Sie sehen Ihren tatsächlichen Verbrauchsverlauf, und zeitvariable Tarife werden möglich.