LASTGANG · WERKTAG GEWERBE
Grundlast, Spitze, Tagesplateau
● Spitzenlast
- - - Grundlast
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Schematische Darstellung
Inhalt
1. Das Wichtigste in Kürze
2. Was ist ein Lastgang?
3. Wer hat einen Lastgang – und woher bekommen Sie ihn?
4. Die fünf Kennzahlen, die in jedem Lastgang stecken
5. So lesen Sie Ihren Lastgang: Schritt für Schritt
6. Typische Muster und was sie bedeuten
7. Was Sie mit einem Lastgang anfangen können
8. Häufige Fragen
Das Wichtigste in Kürze
✓ Der Lastgang zeigt Ihren Verbrauch im Zeitverlauf: beim Strom 96 Werte pro Tag, beim Gas 24.
✓ RLM-Kunden haben automatisch einen Lastgang. Mit intelligentem Messsystem liegen die Daten auch bei kleineren Betrieben vor.
✓ Die wichtigsten Kennzahlen: Grundlast, Spitzenlast, Benutzungsstunden.
✓ Lastspitzen können bei Leistungsmessung die Netzkosten eines ganzen Jahres bestimmen.
✓ Ein Lastgang ist die beste Grundlage für ein passendes Angebot – und für die Planung neuer Verbraucher wie Ladepunkte oder Wärmepumpen.
Was ist ein Lastgang?
Stellen Sie sich vor, jemand notiert alle 15 Minuten, wie viel Strom Ihr Betrieb in diesem Moment gerade zieht. Über ein Jahr kommen so 35.040 Einträge zusammen. Trägt man sie in ein Diagramm ein, entsteht eine Kurve: der Lastgang.
Er zeigt, wann morgens die ersten Geräte angehen, wann die Produktion auf Volllast läuft, wie viel nachts noch verbraucht wird und ob am Wochenende wirklich Ruhe herrscht.
Beim Gas funktioniert das genauso, nur mit einem Wert pro Stunde – also 8.760 Werten im Jahr.
kW oder kWh? Die Einheiten richtig lesen
Lastgangdaten werden in zwei Formen ausgegeben, und das sorgt oft für Verwirrung:
Leistung in Kilowatt (kW) gibt an, mit welcher durchschnittlichen Leistung in der jeweiligen Viertelstunde Strom bezogen wurde.
Energie in Kilowattstunden (kWh) gibt an, wie viel Strom in dieser Viertelstunde insgesamt verbraucht wurde.
Die Umrechnung ist einfach: Bei Viertelstundenwerten ist der kW-Wert viermal so hoch wie der kWh-Wert. Eine Viertelstunde mit 25 kWh entspricht einer durchschnittlichen Leistung von 100 kW.
kWh je Viertelstunde × 4 = durchschnittliche Leistung in kW
Wer hat einen Lastgang – und woher bekommen Sie ihn?
Einen vollständigen Lastgang haben alle Kunden mit registrierender Leistungsmessung (RLM). Beim Strom ist das in der Regel ab einem Jahresverbrauch von 100.000 kWh der Fall, beim Gas ab 1,5 Millionen kWh.
Durch den Smart-Meter-Rollout erhalten inzwischen auch Betriebe mit mehr als 6.000 kWh Stromverbrauch ein intelligentes Messsystem. Es erfasst ebenfalls Viertelstundenwerte – damit können auch kleinere Unternehmen ihren Verbrauchsverlauf sehen.
Unterschied SLP und RLM →
So kommen Sie an Ihre Lastgangdaten
Quelle
Wie
Messstellenbetreiber
Häufig über ein Online-Kundenportal mit Download-Funktion
Netzbetreiber
Auf Anfrage, oft ebenfalls über ein Portal
Energieversorger
Viele Versorger stellen die Daten ihren Kunden bereit
Die Daten kommen meist als Excel- oder CSV-Datei: eine Spalte mit Datum und Uhrzeit, eine mit dem Messwert. Für eine erste Auswertung reicht ein vollständiges Kalenderjahr.
Die fünf Kennzahlen, die in jedem Lastgang stecken
01
Grundlast
Der niedrigste Wert, unter den Ihr Verbrauch praktisch nie fällt – meist nachts oder am Wochenende. Hier laufen Kühlung, Server, Pumpen, Beleuchtung, Standby-Geräte. Eine überraschend hohe Grundlast ist einer der häufigsten Funde bei einer Lastgang-Analyse.
02
Spitzenlast
Der höchste Wert des Jahres. Bei Leistungsmessung bestimmt er den Leistungspreis – und damit einen Teil der Netzkosten für das ganze Jahr. Wichtig ist nicht nur, wie hoch die Spitze ist, sondern wie oft sie vorkommt.
03
Benutzungsstunden
Jahresverbrauch geteilt durch Jahreshöchstleistung. Die Zahl sagt, wie gleichmäßig ein Betrieb seine Leistung nutzt. Viele Stunden bedeuten einen gleichmäßigen Verbrauch, wenige Stunden deuten auf ausgeprägte Spitzen hin. Netzbetreiber unterscheiden ihre Preise danach, in der Regel mit einer Grenze bei 2.500 Stunden.
04
Tagesprofil
Wie sieht ein typischer Werktag aus? Wann steigt die Last an, wann fällt sie ab? Das Tagesprofil zeigt, ob der Verbrauch zu den Betriebszeiten passt.
05
Wochen- und Jahresprofil
Wie unterscheiden sich Werktage vom Wochenende, Sommer vom Winter? Saisonale Muster zeigen etwa den Einfluss von Klimatisierung oder elektrischer Heizung.
So lesen Sie Ihren Lastgang: Schritt für Schritt
Schritt 1 — Einheiten prüfen
Liegen die Werte in kW oder kWh vor? Im Zweifel: Summieren Sie alle Werte eines Jahres. Ergibt das ungefähr Ihren Jahresverbrauch aus der Abrechnung, sind es kWh-Werte.
Schritt 2 — Das ganze Jahr ansehen
Erstellen Sie ein Liniendiagramm über alle Werte. Auf den ersten Blick sehen Sie saisonale Unterschiede, Betriebsferien und auffällige Ausreißer.
Schritt 3 — Die höchsten Werte finden
Sortieren Sie die Werte absteigend. Wann traten die zehn höchsten Viertelstunden auf? Liegen sie alle an ähnlichen Tagen oder Uhrzeiten, steckt dahinter meist ein wiederkehrender Vorgang.
Schritt 4 — Die Grundlast bestimmen
Sehen Sie sich die Nächte und Wochenenden an. Wie hoch ist der Verbrauch, wenn eigentlich niemand arbeitet? Passt das zu den Geräten, die dauerhaft laufen müssen?
Schritt 5 — Einen typischen Werktag herausgreifen
Wählen Sie einen normalen Arbeitstag und betrachten Sie ihn einzeln. Wann beginnt der Anstieg, wann liegt das Maximum, wann fällt die Last wieder ab? Vergleichen Sie das mit Ihren Arbeitszeiten.
Schritt 6 — Benutzungsstunden berechnen
Jahresverbrauch in kWh geteilt durch die höchste Leistung in kW. Das Ergebnis ordnet Ihren Betrieb ein und zeigt, wie viel eine gesenkte Spitze ausmachen könnte.
Sie möchten das nicht selbst machen? Schicken Sie uns Ihren Lastgang. Wir werten ihn aus und nutzen ihn als Grundlage für passende Angebote.
Lastgang einsendenTypische Muster und was sie bedeuten
Steile Morgenspitze
Um 6 oder 7 Uhr schießt die Last nach oben und fällt danach auf ein niedrigeres Niveau. Typisch, wenn viele Maschinen, Öfen oder Kompressoren gleichzeitig eingeschaltet werden. Oft der größte Hebel: Zeitversetztes Einschalten kann die Spitze deutlich senken.
Hohe Nachtlast
Nachts oder am Wochenende bleibt der Verbrauch hoch, obwohl der Betrieb ruht. Mögliche Ursachen: Geräte im Standby, Beleuchtung, die nicht abschaltet, Lüftungs- oder Druckluftanlagen mit Leckagen.
Einzelne Ausreißer
An wenigen Tagen im Jahr springt die Last weit über das übliche Niveau. Häufig ein besonderes Ereignis – ein Probelauf, eine Reinigung, eine Störung. Bei Leistungsmessung kann schon ein einziger solcher Moment teuer werden.
Gleichmäßiges Plateau
Der Verbrauch bleibt über viele Stunden auf ähnlichem Niveau, etwa im Dreischichtbetrieb oder bei Kühlhäusern. Das bedeutet viele Benutzungsstunden und ein gut planbares Profil.
Neue Abendspitze
Seit Kurzem gibt es eine Spitze am späten Nachmittag, die früher nicht da war. Häufige Ursache: Ladepunkte, an denen Firmenfahrzeuge nach Feierabend gleichzeitig laden.
Was Sie mit einem Lastgang anfangen können
Passende Angebote einholen
Für Energieversorger ist der Lastgang die genaueste Grundlage für ein Angebot. Ein gleichmäßiger Verbrauch ist anders zu beschaffen als einer mit starken Spitzen. Wer seinen Lastgang mitliefert, bekommt Angebote, die zu seinem Betrieb passen – statt zu einem Durchschnitt.
Lastspitzen senken
Oft lassen sich Spitzen ohne Investition reduzieren: Maschinen zeitversetzt starten, Ladevorgänge verteilen, energieintensive Vorgänge in schwächere Zeiten legen. Bei Leistungsmessung wirkt sich das auf die Netzkosten aus.
Grundlast senken
Jede Kilowattstunde Grundlast läuft 8.760 Stunden im Jahr. Wer hier einen dauerhaften Verbraucher findet, der nicht nötig ist, spart über das ganze Jahr.
Neue Verbraucher planen
Ladepunkte, Wärmepumpe, neue Produktionslinie: Der Lastgang zeigt, wo im Tagesverlauf noch Luft ist – und ob eine neue Anlage eine zusätzliche Spitze erzeugen würde.
Eigenerzeugung einschätzen
Wer über eine Solaranlage auf dem Dach nachdenkt, kann mit dem Lastgang abschätzen, wie viel des erzeugten Stroms tagsüber direkt im Betrieb verbraucht würde. Das ist eine wichtige Grundlage für die Planung.